25 Jahre selbstständig: Was geblieben ist und was sich verändert hat
Am 1. November 2026 habe ich 25 Jahre Selbstständigkeit gefeiert.
Als ich im November 2001 angefangen habe, konnte ich kaum wissen, wohin mich dieser Weg führen würde. Werbung und Marketing, ein Unternehmernetzwerk, Coaching, Training, Moderation und Unternehmenspodcasts. Unterschiedliche Aufgaben, unterschiedliche Rollen und immer wieder die Frage, was davon wirklich zu mir passt.
Für das Jubiläum wollte ich zunächst Geschichten aus diesen Jahren sammeln. Was habe ich erlebt? Welche Entscheidungen waren wichtig? Wo hat sich etwas verändert?
Beim Zurückschauen wurde daraus mehr. Steve Jobs hat in seiner Rede an der Stanford University 2005 von „Connecting the Dots“ gesprochen: Die Verbindung zwischen einzelnen Stationen lässt sich oft erst im Rückblick erkennen. Diesen Gedanken konnte ich beim Betrachten meiner eigenen Geschichte gut nachvollziehen. Zwischen Entscheidungen, Umwegen und Neuanfängen tauchten Zusammenhänge auf. Erfahrungen, die meine heutige Arbeit geprägt haben. Fragen, die mich schon lange begleiten. Und ein roter Faden, den ich während des Gehens oft selbst noch nicht erkennen konnte.

Mit Werbung und Marketing fing es an
Meine Selbstständigkeit begann mit einer GbR und einer Werbeagentur. Nach etwa einem Jahr führte ich meine Arbeit als Einzelunternehmer weiter. 2009 gründete ich die GmbH, die bis heute besteht.
Unter dem Namen NEW IMAGINE Werbung unterstützte ich Unternehmen dabei, ihre Angebote sichtbar zu machen und ihre Botschaften zu vermitteln. Schon damals wollte ich Menschen mit dem voranbringen, was sie konnten und anzubieten hatten.

Zu diesen ersten Jahren gehören auch Erfahrungen, die ich mir anders gewünscht hätte. Eine Gesellschaft ging auseinander. Ich übernahm Verbindlichkeiten und verlor Geld. Ich musste mich mit Fragen beschäftigen, für die mir anfangs noch die Erfahrung fehlte: Wie weit reicht mein Vertrauen? Wann braucht es eine klare Grenze? Wie übernehme ich Verantwortung für meine eigene wirtschaftliche Existenz?
Diese Fragen blieben nicht auf Verträge und Zahlen beschränkt. Sie berührten auch mein Bild von mir selbst und von anderen Menschen.
Heute sehe ich darin einen Teil dessen, was Unternehmertum so intensiv machen kann. Entscheidungen haben Folgen. Für das Unternehmen, für andere und für das eigene Leben. Dabei lernt man auch Seiten von sich kennen, die vorher wenig Anlass hatten, sichtbar zu werden.
Die eigene Rolle musste erst entstehen
Über die Jahre haben sich meine Angebote und meine Selbstbeschreibungen mehrfach verändert. Gelassenheit, Souveränität, innere Stärke, Training, Coaching, Gruppenangebote. Ich habe ausprobiert, weiterentwickelt und manches wieder verworfen.
Manchmal habe ich dabei stark nach außen geschaut. Wie machen andere das? Wie beschreiben sie ihre Arbeit? Was müsste ich anbieten, damit es verständlich wird und gefragt ist?
Es gab hilfreiche Anregungen. Trotzdem blieb häufig das Gefühl, dass meine eigene Beschreibung noch nicht ganz traf, worum es mir ging.
Auch Selbstzweifel kenne ich aus eigener Erfahrung. Große Netzwerkveranstaltungen mit Geschäftsleuten waren für mich früher keineswegs selbstverständlich. Durch Coaching und neue Erfahrungen konnte ich überprüfen, was ich über mich glaubte. Später wurden gerade das Zusammenbringen von Menschen, das Moderieren und das Begleiten von Inhabern zu wichtigen Teilen meiner Arbeit.
Das hat meinen Blick auf Entwicklung geprägt. Eine Vorstellung von mir selbst kann sich sehr fest anfühlen. Neue Erfahrungen können trotzdem zeigen, dass mein Handlungsspielraum größer ist, als ich bisher angenommen habe.
Ein Schnitt und kurz darauf eine neue offene Zukunft
Zum Jahreswechsel 2018/2019 gab ich mein Agenturgeschäft und die dazugehörigen Kunden ab. Gleichzeitig endete eine wichtige Einnahmequelle aus meiner Netzwerkarbeit. Einen geplanten Einstieg in ein Ausbildungsinstitut sagte ich ebenfalls ab.
Ich wollte mich auf Coaching und Training konzentrieren.
Dann kam 2020 die Pandemie. Meine geplanten Präsenztrainings wurden abgesagt. Wieder stand ich vor der Frage, wie es weitergehen konnte.
In dieser Zeit richtete ich meinen Blick auf Fähigkeiten, die längst zu meiner Arbeit gehörten: zuhören, Gespräche führen, Menschen miteinander verbinden und ihre Geschichten hörbar machen.
Daraus entstand Corporate Podcast als zusätzlicher Geschäftsbereich. Meine Arbeit als Coach führte ich parallel weiter.
Rückblickend erkenne ich darin etwas, das mich bis heute beschäftigt: Unter veränderten Bedingungen können vorhandene Fähigkeiten eine andere Form bekommen. Dafür muss ich zunächst wahrnehmen, was noch da ist und welche Möglichkeiten sich daraus ergeben.
Das nimmt einer schwierigen Situation weder ihre Unsicherheit noch ihre wirtschaftlichen Anforderungen. Es kann aber helfen, wieder eine Frage zu finden, mit der sich konkret weiterarbeiten lässt.
Was diese Jahre mit meiner Arbeit gemacht haben

Nach 25 Jahren bin ich mit allgemeinen Erfolgstipps vorsichtiger geworden.
Ich habe von guten Strategien, Ausbildungen, Methoden und anderen Menschen profitiert. Zugleich habe ich erlebt, wie unterschiedlich Menschen mit derselben Empfehlung umgehen. Was dem einen hilft, kann beim anderen neue Fragen auslösen oder trotz aller Bemühungen kaum etwas verändern.
Mich interessiert deshalb heute genauer, was in einer konkreten Situation zusammenwirkt.
Welche betrieblichen Bedingungen sind zu berücksichtigen? Was hat der Inhaber bereits versucht? Welche Erwartungen stellt er an sich? Welche Erfahrungen beeinflussen seine Entscheidung? Und was davon lässt sich tatsächlich überprüfen?
Diese Fragen stelle ich auch mir selbst.
Mein heutiger Blick ist über viele Jahre entstanden. Aus meiner unternehmerischen Erfahrung, aus Ausbildungen und aus Begegnungen mit Menschen. Dazu gehören Situationen, in denen ich weitergekommen bin, ebenso wie solche, in denen ich meine Einschätzung korrigieren musste.
Wenn ich heute mit Inhabern arbeite, bringe ich diese Erfahrung mit. Sie hilft mir, Fragen zu stellen. Die Antworten müssen wir an der jeweiligen Situation gemeinsam prüfen.
Aus den Geschichten wurde mein Betriebssystem
Beim Sammeln der Geschichten zum Jubiläum wollte ich irgendwann genauer verstehen, was diese Erfahrungen miteinander verbindet.
Warum beschäftigen mich bestimmte Fragen immer wieder? Was glaube ich über Menschen und ihre Entwicklung? Wie verstehe ich Verantwortung? Und was davon zeigt sich in meiner Arbeit?
Ich begann, diese Gedanken zusammenzuführen. Daraus ist etwas entstanden, das ich mein Betriebssystem nenne.
Damit meine ich die schriftlich festgehaltenen Grundlagen meines Denkens und Arbeitens. Mein Menschenbild, meine Haltung zum Unternehmertum, Erfahrungen aus meiner Geschichte und Fragen, auf die ich noch keine abschließende Antwort habe.
Diese Sammlung ist ein Arbeitsstand. Sie hilft mir, Zusammenhänge zu erkennen und meine eigenen Überzeugungen genauer zu betrachten. Ich kann prüfen, ob eine neue Idee dazu passt, wo ich etwas präzisieren möchte und an welcher Stelle meine Erfahrung vielleicht auch zu einer vorschnellen Erklärung führt.
Ein Gedanke zieht sich dabei durch vieles hindurch: Menschen sollen die Möglichkeit haben, das, was in ihnen angelegt ist, bewusster zu leben und wirksam werden zu lassen.
Unternehmertum ist für mich ein Raum, in dem diese Frage sehr konkret wird. Bei Entscheidungen über Kunden, Angebote, Geld, Zusammenarbeit und die eigene Rolle. Und bei der Frage, welchen Platz das Unternehmen im eigenen Leben einnehmen soll.
Vielleicht entsteht daraus ein Buch
Aus dieser Beschäftigung ist inzwischen auch die Idee eines Buches entstanden.
Sie steckt noch in den Kinderschuhen. Welche Form das Buch bekommen könnte und wann daraus etwas wird, ist offen.
Mich interessiert, die Erfahrungen aus diesen 25 Jahren weiter zu betrachten. Einzelne Wendepunkte genauer zu erzählen und sichtbar zu machen, welche Fragen daraus entstanden sind. Vielleicht können andere Inhaber darin etwas wiedererkennen, das sie aus ihrer eigenen Geschichte kennen.
Zunächst sammle, schreibe und prüfe ich weiter.
Das Jubiläum hat mir dafür einen Anlass gegeben. Beim Rückblick wurde deutlicher, was sich verändert hat und was mich schon lange begleitet: der Wunsch, Menschen zu verstehen, Verbindungen herzustellen und Möglichkeiten sichtbar zu machen.
Nach 25 Jahren Selbstständigkeit ist für mich vieles klarer geworden. Gleichzeitig sind Fragen hinzugekommen, mit denen ich mich weiter beschäftigen möchte.
Eine davon lautet: Wie möchte ich das, was mir wichtig geworden ist, in den kommenden Jahren leben und in meiner Arbeit wirksam machen?
